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Famulatur

Die Famulatur ist für viele Medizinstudierende ein Meilenstein in der eigenen beruflichen Planung nach dem bestandenen Physikum (Erste Ärztliche Prüfung), meist ab dem Ende des vierten Semesters. 
Die gesamte Famulatur ist verpflichtend (Zulassungsvoraussetzung für die Zweite Ärztliche Prüfung!) und dauert mindestens vier Monate. Die exakte Dauer der gesamten Famulatur ist abhängig vom Bundesland des Studienortes.

 

Hier können Sie sich über die jeweiligen Mindestzeiten informieren.

Wie ist die Famulatur aufgebaut?

Die gesamte Famulatur ist aufgegliedert in vier Tertiale. Davon müssen sie in folgenden Zeitrahmen absolviert werden:

  • zwei Monate (zwei Tertiale) praktische Tätigkeit in einem Krankenhaus oder in einer stationären Reha-Einrichtung,
  • ein Monat (ein Tertial) in einer Arztpraxis und
  • ein Monat (ein Tertial) in einer Hausarztpraxis 

Drei Tertiale sind verpflichtend in folgenden Fachbereichen zu absolvieren: 

  • Innere Medizin, dazu zählen auch pneumologische oder pulmologische Fachgebiete an Lungenzentren oder Pulmo-/Pneumostationen. In der Pneumobörse finden Sie ausgeschriebene Famulaturstellen. 
  • Chirurgie 
  • Allgemeinmedizin 

Das vierte Tertial ist ein Wahltertial: Hier bietet es sich an, tiefer in das eigene Interessengebiet einzusteigen.

Häufig werden Famulaturen in den Universitätskliniken über die Studiensekretariate vergeben. Es kann sich also lohnen, in den jeweiligen Studiensekretariaten der Uni-Kliniken nachzufragen. Jedoch ist hier häufig das Motto: First come, first served. 

Wie bereiten Sie sich auf eine Famulatur vor?

Vermutlich werden Sie im Laufe der Famulatur, gerade im ersten Tertial, zum ersten Mal selbst mit ärztlichen Tätigkeiten betraut. Daher bieten viele Universitäten inzwischen Kurse an unter dem Motto „Fit für die Famulatur“. Auch hier ist hilfreich – falls Sie auf den üblichen Kommuni­kations­kanälen wie Webseite oder Aushänge nicht darauf aufmerksam wurden – im Studien­sekretariat nachzufragen. Sollte Ihre Universität eine solche Vorbereitung nicht anbieten, wäre Ihre Fachschafts­vertretung der Ansprech­partner. Als Fachgesellschaft haben wir ein Interesse daran, dass Sie vorbereitet in eine Famulatur in der Inneren Medizin/Schwerpunkt Pneumologie gehen können. Dieses System bauen wir gerade auf. Sobald wir dieses etabliert haben, finden Sie weiterführende Informationen.

Was erwartet Sie bei einer Famulatur?

Die Aufgaben, mit denen Sie betraut werden, sind in der Famulatur wesentlich weitreichender als während des Pflegepraktikums. Ziele der Famulatur sind, einen guten Einblick in die ärztliche Tätigkeit zu bekommen, den Umgang mit Patienten zu lernen, Patientenakten zu lesen und zu verstehen sowie Verständnis für den medizinischen Klinikalltag zu entwickeln. 

Dementsprechend fallen folgende Aufgaben an: 

  • Anamnese erheben 
  • erste körperliche Untersuchungen
  • Kurven interpretieren
  • Patienten dem Oberarzt vorstellen 
  • Blut abnehmen
  • Braunülen legen 
  • leichte ärztliche Tätigkeiten 
  • Arztbriefe schreiben 

Was sollten Sie beachten?

Der Klinikalltag ist hochgradig verdichtet – das bedeutet schlicht, dass keiner so richtig viel Zeit hat. Gleichzeitig sind – so erleben wir es bei unseren Mitgliedern und so berichten es unsere studentischen Mitglieder – sowohl Ärzte als auch Pflegekräfte bemüht, Ihre Fragen zu beantworten. Allerdings nicht zweimal dieselbe. Ein guter Tipp von einer Ärztin in Weiterbildung ist der Notizblock mit Bleistift im Kittel. Sie notierte sich immer alle Fragen mit den entsprechenden Antworten. So musste sie nicht zweimal fragen und konnte, wenn sie etwas vergessen hatte, erst einmal in ihren Notizen nachsehen. 

 

Bevor Sie Ihre jeweiligen Famulaturen antreten, fragen Sie nach Kleiderkonventionen und eventuellen diesbezüglichen Vorschriften. Ärztliches Equipment wie Otoskop etc. wird gestellt. Bei einfachem Equipment wie Stethoskop und Reflexhammer lohnt sich eine Nachfrage, was Sie benötigen. Inzwischen wird auch diese Ausrüstung immer häufiger von den Krankenhäusern übernommen. 

 

Wie sieht es mit der Honorierung aus? 

Eigentlich gibt es bei einer Famulatur kein Gehalt. Das ändert sich jedoch gerade – inzwischen gehen immer mehr Krankenhäuser dazu über, eine Bezahlung für die Famulatur anzubieten. Daneben werden Benefits von Tickets für die Öffentlichen bis hin zu kostenlosem Mittagessen oder auch Übernachtungsmöglichkeiten angeboten. Ein Vergleich lohnt sich. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit von Stipendien, die meist auch die Famulaturen einschließen. 

 

Auf der Pneumobörse können Sie wählen, welche Benefits für Sie am wichtigsten sind, und bekommen dann die entsprechenden Stellen angezeigt. 

Was benötigen Sie für eine Bewerbung?

Wenn Sie die richtige Famulatur für sich gefunden haben, brauchen Sie meist folgende Unterlagen: 

  • Vollständiges Transkript Ihrer bisherigen Studienleistungen – Vergessen Sie nicht den Nachweis des bestandenen Physikums und Ihrer Leistung darin!
  • Lebenslauf – Zur Frage eines Fotos empfiehlt es sich nachzufragen. Es gibt keine einheitliche Empfehlung mehr, ob mit oder ohne Bild. Fragen hilft in diesem Fall weiter. 
  • Motivationsschreiben – Stellen Sie sich einfach vor, Sie erhalten viele Famulaturbewerbungen (zumindest in den großen, bekannten Universitätskliniken ist dies noch so). Wieso soll sich das Krankenhaus ausgerechnet für Sie entscheiden? 
  • Anschreiben – Ganz wichtig: Wann wollen Sie die Famulatur in welchem Fachbereich machen? 

Rechte & Pflichten

Wie im Pflegepraktikum ist die rechtliche Grundlage der §7 Äapp0:

  • Grundsätzlich handelt es sich bei der Famulatur um ein reguläres Arbeitsverhältnis mit einem befristeten Arbeitsvertrag. Und eben der Vertrag kann sich von Klinik zu Klinik, je nach Bundesland oder sogar von Station zu Station unterscheiden. 
  • Je nachdem, wie lange Sie in einem Haus tätig sind, werden die Urlaubstage auf Basis der Anstellungsdauer errechnet. 
  • Krankheitstage müssen nachgearbeitet werden, damit die Famulatur angerechnet wird. Der zeitliche Rahmen der tatsächlichen Tätigkeit muss eingehalten werden. 
  • Es besteht die Verpflichtung, am Schichtdienst teilzunehmen – Ziel der Famulatur ist es ja, einen Einblick zu bekommen, und der Schichtdienst gehört dazu. 
  • Selbstverständlich sind Sie zur Geheimhaltung von Patienteninformationen verpflichtet. 
  • Die Bestätigung, dass Sie alle einzelnen Tertiale vollständig absolviert haben, ist die Voraussetzung, um zur Zweiten Ärztlichen Prüfung zugelassen zu werden! 

Tipps

  • Nie die Famulaturbestätigung vergessen! (Jedes Bundesland hat eigene Vordrucke, die den jeweils gültigen Bestimmungen entsprechen.)
  • Immer auf Vollständigkeit achten!
  • Auf dem Formular muss klar erkennbar sein: Wo die Famulatur erfolgte (Stempel der Klinik oder der Arztpraxis); Dauer von – bis; Kontaktdaten des Krankenhauses bzw. des auszubildenden Arztes.