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Familie und Beruf

Da hat sich schon etwas geändert und, sind wir mal ehrlich, durch den Generationswechsel in den Krankenhäusern und den Praxen wird sich weiter viel verändern. Allerdings ist es nach wie vor so, dass die Bitte nach einer Teilzeitstelle oder eine Schwangerschaft schnell mal zur Versetzung in ein weniger interessantes Gebiet führt. 

Ärztin in Weiterbildung
Interview im Rahmen der Entwicklung zukunft.pneumologie.de

Jenseits des Einzelschicksals

Mehrere Studien (KARmed, van der Bussche, 2017; KBV Berufsmonitoring, 2014; Engelmann, 2015) zeigen, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein sehr emotionales und relevantes Thema ist – ob im Medizinstudium, in der Weiterbildung oder im Berufsalltag.

War es in den 1990ern in erster Linie ein Frauenthema (zum ungefähren Zeitpunkt des Berufseinstiegs der jetzigen Entscheider und Entscheiderinnen in Kliniken und Politik), ist es bereits 2014 sowohl für Studentinnen als auch für Studenten, sowohl für männliches als auch weibliches medizinisches Personal ein wichtiger Aspekt der beruflichen Laufbahn. Im Berufsmonitoring 2014 der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gaben mehr als 80 % der Medizinstudierenden an, dass die Vereinbarkeit von Beruf/Karriere und Familie ein wichtiges Thema und ein Aspekt der beruflichen Entscheidung ist, unabhängig von Gender oder Ausrichtung. 

 

Gefördert von der DGP e.V. wurde im Rahmen des Pneumologie-Kongresses 2015 eine Teilnehmerbefragung zum Thema „Die Weiterbildungssituation junger Ärztinnen und Ärzte in der Pneumologie“ durchgeführt (Christians, 2016). Von den 358 befragten Pneumologen und Pneumologinnen gaben 52 % der Frauen außerberufliche Belange wie Partnerschaft, Familie und Freizeit als hinderlich für die Karriere an – im Gegenzug nannten dies immerhin noch 32 % der männlichen Befragten. 

 

Laut einer Studie (Engelmann, 2015), an der 406 aus der Elternzeit zurückgekehrte Beschäftigte, darunter 91 Ärzte und Ärztinnen, teilgenommen haben, ist das Thema Elternzeit nach wie vor sehr emotional besetzt. Zudem zeigt die Studie, dass die Elternzeit eine Karrierebremse sein kann. Mehr als die Hälfte der Akademiker (58 %) zogen nach der Rückkehr einen Arbeitgeberwechsel in Betracht. Circa 17 % der Führungskräfte verloren ihre leitende Position nach der Elternzeit und ca. 50 % aller Befragten stellten „signifikante Änderungen“ ihres Tätigkeitsprofils fest.

 

Was verändert sich?

Die notwendigen Veränderungen sind komplex und betreffen neben den einzelnen Kliniken und Stationen die Gesamtsituation des Gesundheitswesens in Deutschland. 

Einzelne Kliniken bieten inzwischen eine hauseigene Kinderbetreuung oder zumindest Verträge mit Kindertagesstätten an, um einen Wiedereinstieg nach der Elternzeit zu erleichtern.

Klinikkonzerne mit mehreren hundert Angestellten unterliegen wie alle Arbeitgeber der neuen Verordnung zur Teilzeit und Wiedereingliederung in das Berufsleben. 

Der in einigen Fachgebieten absehbare und tatsächliche Ärztemangel erhöht den Druck auf medizinische Arbeitgeber, ein familienfreundlicheres Umfeld zu schaffen. 

Dienste und Überstunden werden nach und nach versucht familienfreundlicher zu gestalten – zumindest berichten dies unsere Mitglieder. Aufgrund der Komplexität des Themas wird es sicherlich noch Jahre brauchen, bis die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder von Karriere und Freizeit/Beziehung so organisiert ist, dass Karriereknicke, Machtverlust oder auch ein Arbeitsplatzwechsel der Vergangenheit angehören und der „Faktor Kind“ sinnvoll in die Strukturen der Arbeitswelt integriert ist. 

 

Was macht die DGP e.V.:?

Wir fangen bei uns selbst an. Als medizinische Fachgesellschaft mit einem steigenden Anteil sogenannter DCC (Double Carrier Couples) mit Kindern versuchen wir unsere Angebote familienfreundlich zu gestalten. So hat der Jahreskongress ein Betreuungsangebot für Kinder und auch die Sommerakademien für den pneumologischen Nachwuchs bieten bei Bedarf eine Kinderbetreuung an. Dies ist übrigens mit ein Grund, weshalb wir uns darum bemühen, die Akademien eher im ländlichen Raum denn in Großstädten auszurichten. 

Langfristig setzen wir uns für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie aktiv ein, indem wir: 

  • an der Weiterbildungsverordnung mitarbeiten.
  • uns auf der politischen Ebene und in den Dachverbänden dafür einsetzen, den hochverdichteten Arbeitsalltag von (angehenden) Fachärzten und Fachärztinnen in der Pneumologie familienfreundlicher zu gestalten, z.B. durch die Möglichkeit, die Weiterbildung zumindest partiell in Teilzeit zu absolvieren. 
  • uns bemühen, eine Zertifizierung zur Diversität und Familienfreundlichkeit zu etablieren. 

Machen Sie mit und engagieren Sie sich gemeinsam mit uns für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. 

 

 

Nützliche Links zum Thema: 

Zwar ist das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie kein reines Frauenthema mehr, einen guten ersten Einblick gibt dennoch der FKI – der Frauen-Karriere-Index –, an dem auch einige Krankenhauskonzerne teilnehmen. 

Im Jahr 2014 veröffentlichte die Universität Leipzig in der Studie „Karriereentwicklung von Ärztinnen“ (Reimann, Alfermann, 2014) Faktoren, die für die Karriere von Ärztinnen eine Rolle spielen. 

Die Weiterbildungssituation junger Ärztinnen und Ärzte in der Pneumologie: Facharztwahl und Einschätzung karriererelevanterAspekte vergleichend nach Geschlecht und beruflicher Funktion

Rechtliche Grundlagen von Teilzeit
Rechtliche Grundlagen zur Brückenteilzeit

Career perspectives of hospital health workers after maternity and paternity leave: survey and observational study in Germany